Bildung für nachhaltige Entwicklung
Bildung für nachhaltige Entwicklung ist eine gewaltige Aufgabe für die Schule. Der Stochastikunterricht bietet aber sehr gute Möglichkeiten, BNE in den Mathematikunterricht zu integrieren.
Bildung für nachhaltige Entwicklung setzt sich zum Ziel, Schülerinnen und Schüler zu zukunftsfähigem Denken und Handeln zu befähigen. Nachhaltigkeit bezieht sich dabei sowohl auf ökologische wie auch auf wirtschaftliche und soziale Aspekte. Kurz gesagt soll Schule eine Art von Bildung ermöglichen, die es Schülerinnen und Schülern erlaubt, ihr Wissen zu nutzen um sich für eine gerechte und lebenswerte Zukunft einzusetzen.
Dabei sind zwei Ansätze für BNE relevant. Auf der einen Seite geht es darum, Wissen über bestimmte nachhaltige Verhaltensweisen zu erwerben. So ist gesellschaftlich etwa klar, dass CO2-Emissionen reduziert werden müssen, Plastikmüll einer Kreislaufwirtschaft zugefügt werden sollte und soziale Ungleichheiten reduziert werden sollten. Der instrumentelle Ansatz von BNE setzt sich zum Ziel, die Relevanz bestimmter akzeptierter Verhaltensweisen wie Mülltrennung zu vermitteln. Das alleine reicht allerdings nicht aus, denn meist sind die Wege zu den Nachhaltigkeitszielen unklar. Und was als „nachhaltig“ gilt, kann sich im Laufe der Zeit auch ändern, denn das menschliche Wissen über komplexe planetare Zusammenhänge ist notgedrungen unvollständig und entwickelt sich stetig weiter. Der emanzipatorische Ansatz von BNE fokussiert daher auf die Fähigkeit von Schülerinnen und Schülern, sich über ihre Verständnisse Nachhaltigkeit fundiert auszutauschen und gegebenenfalls auch streiten zu können. Auch in zukünftigen unklaren Situationen sollen sie handlungsfähig bleiben und nach Wegen zur Nachhaltigkeit suchen können.
Die Anforderungen an den Schulunterricht werden durch eine solche Bildungsidee nicht gerade geringer. Gleichzeitig gibt es schon zahlreiche Beispiele, wie Schulen sich auf den Weg zu einer Bildung für nachhaltigen Entwicklung machen können. Oftmals finden sich Unterrichtsresourcen, bei denen fachübergreifende Projekte außerhalb des regulären Klassenunterrichts durchgeführt werden. Während das wichtige Bausteine für die Umsetzung von BNE sind, möchte Stochastik+ BNE mitten in den Fachunterricht holen. Aber wie lässt sich die Formel von „zukunftsfähigem Denken und Handeln“ didaktisch so reduzieren, dass sie in den Fachunterricht mit fester Stundentafel passt? Stochastik+ orientiert sich dazu an den Kernkompetenzen des Orientierungsrahmen globale Entwicklung der KMK: Erkennen, Bewerten und Handeln.
Erkennen
Phänomene, die die nachhaltige Entwicklung betreffen, müssen zunächst von Schülerinnen und Schülern überhaupt erkannt werden können. Hierbei geht es um Wissenserwerb und um Informationsbeschaffung etwa über Klimawandel oder Armut in der Welt, aber auch um das Erkennen von Zusammenhängen oder das Erkennen der Rolle von Gesellschaft oder Individuum.
Hier bietet die Statistik insbesondere einen zentralen Mehrwert für BNE. Denn Phänomene wie Klimawandel oder Gender Pay Gap sind nie individuell erfahrbar, sondern zeigen sich erst in großen Datenmengen und langfristigen Trends. Stochastik+ möchte daher etwa nicht bloß mitteilen, dass der Klimawandel existiert, sondern den Lernenden ermöglichen, ihn selbst in Daten zu erkennen.
Bewerten
Das reine Beschreiben von Phänomenen alleine ist aber noch keine Diskussion über zukunftsfähiges Handeln. Nachhaltigkeitsprobleme sind komplex, und viele Parteien sind daran beteiligt. Informationen müssen bewertet werden, Perspektiven gewechselt werden, und Maßnahmen beurteilt werden.
Auch hier liefert die Mathematik einen wertvollen Beitrag. Denn datenbasierte Argumentationen helfen uns, dem subjektivem Bauchgefühl zu entkommen und fundierte Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Stochastik+ legt daher Wert darauf, dass die Daten nicht nur beschrieben werden, sondern die Bedeutung der erkannten Trends und Zusammenhänge darin von den Lernenden interpretiert und bewertet werden.


Handeln
BNE hat den hohen Anspruch, aus der Schule heraus in die Gesellschaft wirken zu wollen. Aber wie kann man auch im üblichen Stundentakt „ins Handeln kommen“?
Stochastik+ sieht für den Mathematikunterricht das größte Potenzial im kommunikativen Handeln: Dem Austausch und die Diskussion über Themen der Nachhaltigkeit, aber mit mathematischen Mitteln und fundiert mit Daten. Handeln kann heißen, auf Social Media gegen Falschinformationen vorzugehen und begründet für eine Sache einzutreten. Daher geht Stochastik+ vom Erkennen und Bewerten über in das Kommunizieren, Streiten und Überzeugen. Hier liefert der Mathematikunterricht das notwendige Instrumentarium, um auch in der Zukunft faktenbasiert zu Entscheidungen kommen zu können.